Aquarien, deren Bewohner und mehr
  Neocaridina
 

Neocaridina - Rückenstrichgarnele


Wie ein Schwarm Papageien im Baum, sitzen meine Neocaridina im Moos meiner Aquarien und mümmeln unaufhaltsam vor sich hin. Was sie da zur Ernährung finden ist kaum zu erkennen, aber es müssen Mengen sein und es scheint ihnen zu schmecken. Wenn es Futter gibt flitzen sie rasch auf den Boden. Danach sind sie wieder auf den "Bäumen".

Neocaridina gehören zu den Süßwasser-Zwerggarnelen. Bei uns sind sie auch als Rückenstrichgarnelen bekannt. Männchen werden etwa 20-25 Millimeter, Weibchen 25-30 Millimeter groß.

Inhalt

Haltung
Becken
Ernährung
Vermehrung
Nachwuchs

 

Neocaridina denticulata davidi - Red Rili
zum Vergrößern auf das Bild klicken

Bei uns erhältlich sind Neocaridina denticulata davidi und Neocaridina palmata in mehreren Variationen. Alle Neocaridina paaren sich untereinander und erzeugen fortpflanzungsfähigen Nachwuchs. Mich wundert deshalb, dass es unterschiedliche Arten sein sollen.

Meine Neocaridina davidi

Red Fire Sakura
Yellow Fire
Red Rili

Meine Neocaridina palmata

White Pearl

Sei's drum: Seit 2013 werden Red Fire, Yellow Fire und Red Rili Garnelen im World Register of Marine Species (WoRMS) wieder unter dem wissenschaftlichen Namen Neocaridina denticulata davidi geführt. Der französische Naturforscher Eugène Louis Bouvier hatte sie 1904 als eigene Art identifiziert und so genannt. Zwischendurch hielt man sie für Neocaridina denticulata sinensis oder Neocaridina heteropoda. Jetzt also wieder zurück zum Anfang: Neocaridina denticulata davidi.

Ihre Farbgebung variiert auch in ihrer natürlichen Heimat. Feuerrot oder Neongelb würden sie in der Natur aber kaum überleben. Alle bei uns erhältlichen Arten sind Züchtungen.

Mit meinen Red Fire und Yellow Fire Variationen habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Ihre Farben sind genetisch stabil und auch bei den Männchen kräftig. Die Farbgebung meiner Red Rili war dagegen weitaus weniger stabil.

Neocaridina denticulata davidi - Red Rili
zum Vergrößern auf das Bild klicken

Neocaridina denticulata davidi - Red Rili Neocaridina denticulata davidi - Yellow Fire
zum Vergrößern auf das Bild klicken
Neocaridina denticulata davidi - Red Fire Sakura

Neocaridina palmata - White pearl
zum Vergrößern auf das Bild klicken

White Pearls haben ebenfalls ihren ursprünglichen wissenschaftlichen Namen Neocaridina palmata zurück. Zwischendurch hielt man sie für Neocaridina zhangjiensis.

Auch sie sind Züchtungen mit denen ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Ihre transparente, neblich-weiße Körperfärbung und die perweiße Eifarbe sind genetisch stabil.

 

Haltung

nach oben

Neocaridina denticulata davidi - Red Fire Sakura
zum Vergrößern auf das Bild klicken

Die natürliche Heimat der Rückenstrichgarnelen sind die gemäßigten Bergregionen Südchinas, Taiwans und Koreas. Sie leben dort in kleinen Bächen und Tümpeln, aber auch in den angrenzenden überfluteten Reisfeldern, Schilf- und Grasgebieten 

Neocaridina sind friedliche, nicht sehr anspruchsvolle Tiere. Sie eignen sich auch für Anfänger und können in kleineren Becken ab 12 Litern gehalten werden. Bei der Bemessung des Beckens solltest Du aber bedenken, dass sich Garnelen nur als Gruppe wohl fühlen und gerne vermehren.

Zur Zeit leben sie in mehreren 30 Liter Nanobecken.

Wichtig ist, jede Variante in einem eigenen Becken zu halten und niemals zu mischen.

Sämtliche bei uns erhältlichen Neocaridina vermehren und vermischen sich untereinander und machen jeden Zuchterfolg zunichte. "Einsteigerpakete", in denen verschiedenfarbige Neocaridina zusammen verkauft werden, finde ich deshalb ziemlich daneben.

Meine Red Fire und meine Monsterfächergarnelen leben dagegen problemlos und friedlich im gleichen Becken. Ihre Ernährungsweisen sind sehr verschieden und ihre verwandschaftlichen Beziehungen liegen so weit auseinander, dass sie garantiert niemals gemeinschaftlichen Nachwuchs erzeugen könnten. 

Neocaridina denticulata davidi - Yellow Fire
zum Vergrößern auf das Bild klicken

Garnelen kommen gut mit Fischen zurecht. Im Laufe der Jahre haben meine Garnelen verschiedene Becken mit Schnecken, L144-Welsen und Boraras Brigittae (Moskito-Rasbora) friedlich geteilt.

Bei der Vergesellschaftung mit manchen Fischen kann aber der Garnelennachwuchs leiden. Manche mögen das hilfreich finden. Ich halte die Tiere vorzugsweise getrennt.
 

Neocaridina denticulata davidi - Red Fire Sakura
zum Vergrößern auf das Bild klicken

 

Becken

nach oben

Neocaridina denticulata davidi - Red Rili
zum Vergrößern auf das Bild klicken

Im harten Kölner Leitungswasser fühlen sich meine Garnelen sehr wohl. Die Kölner Wasserwerke veröffentlichen eine Gesamthärte um 13,8° dGh und eine Karbonhärte um 10,0° dKh. Das liegt über den im Internet genannten Wohlfühlwerten von 5-10° dGh und 2-6° dKh, macht meinen Neocaridinas aber augenscheinlich nichts aus.  

Neocaridina sitzen am liebsten in den Pflanzen. Meine Becken sind deshalb mit Christmas- und Javamoos bepflanzt. Im Moos finden die Tiere viel Essbares und trächtige Weibchen und Jungtiere genügend Verstecke. Frühere Aquarien hatte ich auch mit schmalblättrigem Riesenwasserfreund und Kubaperlkraut bepflanzt. Das gefällt den Garnelen auch, sie bevorzugen aber eindeutig feingliedrige Pflanzen.

Zur weiteren Dekoration gehören Wurzeln und Lavasteinen, auf denen die Garnelen ebenfalls gerne sitzen. Ein besonderes Highlight sind meine Garnelenbäume. Ich forme sie aus Ton selbst, brenne sie und bepflanze sie dann mit Javamoos. Wenn sich die Garnelen im Moos niederlassen hast Du einen wunderbaren Papageienbaum in Deinem Aquarium.

Die Gestaltung des Bodens ist den Garnelen völlig egal. In meinen Becken habe ich die Böden mit schwarzem Kies bedeckt. Für die Fütterung halte ich eine Lichtung frei. Die Garnelen kämen auch ohne aus. Die Lichtung erleichtert mir aber die Säuberung und damit die Erhaltung der Wasserqualität.

Strömung brauchen die Garnelen nicht. Sie entsteht aber automatisch durch die Filter und stört auch nicht. Ich verwende Mattenfilter mit Luftheber.

Meine Garnelen leben ohne eigene Heizung bei Zimmertemperatur, also ca. 20°C. Kühler als 18°C sollte das Wasser nicht werden. In der freien Natur wurden aber schon Populationen gefunden, die bei 5°C in sehr kühlen Bächen leben.

Neocaridina denticulata davidi - Red Fire Sakura
zum Vergrößern auf das Bild klicken

Bei spätestens 27°C brauchen Deine Garnelen Kühlung. Fast schlimmer als die hohe Wassertemperatur ist der im warmen Wasser niedrige Sauerstoffgehalt und die schnell sinkende Wasserqualität.

Als erstes solltest Du zusätzliche Wärmequellen meiden:  Lass die Aquarienbeleuchtung aus und entferne eine ohnehin überflüssige Aquarienabdeckung. Schnelle Hilfe bringen Kühlakkus, Eiswürfel und häufiger Wasserwechsel. Vielleicht findest Du in Deiner Wohnung oder im Keller auch einen kühleren Platz. Einige Tage kommen Deine Garnelen zwar mit etwas wärmeren Wassertemperaturen zurecht. Ideal ist das aber nicht.

Neocaridina palmata - White pearl
zum Vergrößern auf das Bild klicken

Als Beckenbeleuchtung verwende ich inzwischen nur noch LED. Sie geben ein natürlicheres Licht als Leuchtstoffröhren und senken zudem die Stromkosten. Die Beleuchtung schaltet sich automatisch von 8 bis 12 Uhr und von 15 bis 22 Uhr an. Eine Abdeckung der Becken ist unnötig.

 

Ernährung

nach oben

Neocaridina palmata - White pearl
zum Vergrößern auf das Bild klicken

Garnelen fressen ständig, weil alles, was sie vorne in sich reinschieben auf kurzem Weg hinten wieder ausgeschieden wird. Viel Darm haben die Tiere nicht. Du kannst ihn bei den sehr durchsichtigen White Pearls im linken Bild gut sehen. Einen Magen besitzen sie nicht. 

In ihrem natürlichen Umfeld ernähren sich Zwerggarnelen von verrotteten Pflanzen, dem Bewuchs von Pflanzen und Steinen und von kleinen Insektenlarven.

Mulm ist in einem Garnelenbecken deshalb unverzichtbar und insbesondere für Jungtiere überlebenswichtig. Da der beste Mulm im Filter steckt, solltest Du beim Auswaschen etwas Mulm auffangen und ins Becken geben.

Neocaridina denticulata davidi - Yellow Fire
zum Vergrößern auf das Bild klicken

In ein Garnelenbecken gehört auch etwas Herbstlaub, vorzugsweise von Ahorn, Buche, Eiche oder Hasel. Andere Laubarten solltest Du meiden, da manche Giftstoffe enthalten. Wichtig: Das Laub muss alleine vom Baum gefallen sein. Erst dann sind bestimmte Abbauprozesse im Blatt abgeschlossen. Es sollte auch sauber sein und muss zu Hause mit kochendem Wasser durch abgebrühen keimfrei gemacht werden. Ein paar Minuten ziehen lassen und mit kaltem Wasser abspülen. Dann kannst Du das Laub ins Aquarium geben. Es sinkt von selbst ab und dient als Futter und Versteckmöglichkeit für Deine Garnelen. Herbstlaub verbessert durch seine Gerbstoffe auch die Wasserqualität. Du solltest keinesfalls darauf verzichten.

Auch Gemüse muss vor dem Füttern kurz abgebrüht (blanchiert) werden. Damit tötest Du Keime ab und macht das Gemüse besser verdaulich.

Damit haben die Tiere schon mal ständig etwas zu tun, aber als alleinige Ernährung reicht es nicht. Ich füttere meine Garnelen deshalb täglich mit SAK Aquaristikfutter. Die Tiere lieben es. Dazu sättigt es besser als anderes Aquaristikfutter, dass ich früher verwendet habe. Ich füttere etwa 40 Prozent weniger und muss entsprechend weniger Hinterlassenschaften aus dem Wasser filtern.

Neocaridina denticulata davidi - Red Fire Sakura
zum Vergrößern auf das Bild klicken

Red und Yellow Fire Garnelen profitieren von karotinhaltigem Futter. Sie lagern das Karotin in ihrem Körper ab. Paprikastücke und karotinhaltiges Farbfutter unterstützt und verstärkt daher ihre Färbung.

Rilis und White Pearls lagern kein Karotin im Körper ab. Sie benötigen daher kein Farbfutter. Paprika und Farbfutter verändert ihre Färbung nicht.

Garnelen benötigen überwiegend pflanzliche Nahrung. Tierisches Futter sollte trotzdem nicht völlig fehlen. Einmal in der Woche füttere ich deshalb gefrostete Artemia. Öfter sollte es nicht sein, um Häutungsprobleme zu vermeiden.

Neocaridina denticulata davidi - Yellow Fire
zum Vergrößern auf das Bild klicken

 

Vermehrung

nach oben

Neocaridina palmata - White pearl
zum Vergrößern auf das Bild klicken

Neocaridina sind nach etwa drei Monaten geschlechtsreif. Weibchen sind etwa fünf Millimeter größer als ihre männlichen Artgenossen. Sie sind auch kompakter und meist kräftiger gefärbt. Trotzdem ist ein heranwachsendes Weibchen nicht immer leicht von einem männlichen Tier zu unterscheiden

Geschlechtsreife weibliche Tiere erkennst Du am gelb durchscheinenden Eifleck im Nacken. Das ist der noch unbefruchtete Laich der Garnelen. Bei White Pearls ist der Eifleck weiß.

Sind die Eier reif, häutet sich das Weibchen. Sobald ihr neuer Panzer hart ist, verströmt sie Pheromone, ein Sexualduftstoff mit dem sie Männchen anlockt. Dann vergessen die eifrig im Moos nach Nahrung suchenden Männchen vorübergehend jeglichen Hunger und machen sich auf die Jagd nach der davon stürmenden Dame. Ein herrliches Schauspiel.

Irgendwann hat es ein Männchen geschafft, packt das Weibchen im Nacken und platziert mit seinen Endopoden Samenpakete an der Geschlechtsöffnung des Weibchens. Danach presst das Weibchen mit krümmenden Bewegungen ihre Eier an den Samenpaketen vorbei in die Bauchtasche ihres Hinterleibs. Dabei erfolgt die Befruchtung. In dieser Bauchtasche bleiben die Eier bis die jungen Garnelen schlüpfen.

Neocaridina denticulata davidi - Red Fire Sakura
zum Vergrößern auf das Bild klicken

Nach der Befruchtung verschwinden die Weibchen gewöhnlich in einem Versteck und lassen sich nur beim Füttern sehen. Du suchst besser nicht nach ihnen. Lass die Tiere in Ruhe und vermeide Stress, sonst endet das Mutterglück vorzeitig.

Wenn Du bei der Fütterung schwangere Weibchen entdeckst kannst Du die sich in der Bauchtasche entwickelnden Eier gut beobachten. Die Farbe der Eier variiert je nach Art, Variante und Entwicklungsstadium der Eier von weiss bis orange und rosa. Bei den White Pearls sind die Eier immer perlweiß, daher ihr Name. Während der gesamten Tragezeit wedelt das Weibchen mit seinen Schwimmbeinen sauerstoffreiches Frischwasser über die Eier.

Neocaridina denticulata davidi - Yellow Fire
zum Vergrößern auf das Bild klicken

Neocaridina palmata - White pearl
zum Vergrößern auf das Bild klicken

Nach etwa drei Wochen Tragezeit, die von der Wassertemperatur mitbestimmt wird, kannst Du in der Bauchtasche auch die Babys, insbesondere ihre schwarzen Augen erkennen. Wenige Tage später bringt das Weibchen etwa 30 bis 50 fertig entwickelte Jungtiere von knapp zwei Millimeter Länge zur Welt. Die Mutter unterstützt ihren Start ins Leben, indem sie die Junggarnelen vorsichtig mit den hinteren Schreitbeinen von den Schwimmbeinen abstreift.

Neocaridina denticulata davidi - Rückenstrichgarnele
zum Vergrößern auf das Bild klicken

Währenddessen hat das Weibchen schon neuen Laich gebildet und ist kurz darauf erneut zur Paarung bereit.

An meinen durchsichtigen White Pearl und den Red Rili Fehlfarben links kannst Du die befruchteten weißen bzw. orangenen Eier an den Schwimmbeinen und die neuen unbefruchteten weißen bzw. gelben Eier hinter dem Kopf besonders gut erkennen.

Wenn die Tiere sich wohl fühlen vermehren sie sich alle sechs Wochen. Gelegentlich legen sie aber auch eine Pause ein.

Etwa einmal im Jahr kaufe ich ein paar neue Garnelen dazu. Jede genetische Auffrischung stärkt die Tiere, macht sie weniger empfindlich und senkt ihre Sterblichkeit.

 

Nachwuchs

nach oben

Auch die Nachwuchshaltung der Zwerggarnelen ist problemlos. Es gibt keinen Kannibalismus. Jungtiere und Erwachsene müssen also nicht getrennt werden. Lediglich manche Fische könnten dem Nachwuchs zusetzen.
In einem bepflanzten Becken mit guten Versteckmöglichkeiten überleben aber immer etliche Junggarnelen.
Wer seine Garnelen vermehren möchte sollte aber lieber auf ein Zusammenleben mit Fischen im gleichen Becken verzichten.

Die Jungtiere ernähren sich vorwiegend von Mulm und Futterresten im Becken. Ich habe mir angewöhnt etwas SAK Color Aquarienfutter mit einer elektrischen Kaffeemühle fein zu mahlen und ins Becken zu streuen, damit der Nachwuchs immer etwas zum schnabulieren hat. Achtung: In der Mühle wurde und wird natürlich ausschließlich Futter gemahlen, nie Kaffee.

Die Färbung meiner Red und Yellow Fire ist von Anfang an schon gut ausgeprägt. Mit zunehmendem Alter intensiver sie sich weiter. Ein kleinerer Prozentsatz der Nachwuchstiere fällt farblich aber manchmal wieder etwas zurück und ist etwas weniger intensiv gefärbt.

Die Jungtiere sind nach drei Monaten geschlechtsreif. Ihr Höchstalter liegt bei zwei Jahren.

Neocaridina denticulata davidi - Red Fire Sakura Neocaridina palmata - White pearl
zum Vergrößern auf das Bild klicken
Neocaridina denticulata davidi - Yellow Fire
    nach oben
 
  Seit der Erstellung der Seite am 6.11.08 waren schon 349445 Besucher (1264629 Hits) hier!